Mach’s

Einblick in ein ungewöhnliches Projekt

Nicht alle Jugendlichen haben die gleichen Voraussetzungen im Leben. Wenn es um die Ausbildung geht, kommt diese Tatsache besonders zum Tragen. Die einen tun sich schwer beim Lernen, andere haben zwei linke Hände und vielen bereitet die Entscheidung für einen Beruf Mühe. Die Jugendlichen, die wir im Wohn- und Arbeitshaus der Lernstatt Känguruh oberhalb Malix treffen, haben mit psychischen und sozialen Schwierigkeiten zu kämpfen. Genau deshalb gibt es das vor fünf Jahren gegründete Projekt «mach’s». Es unterstützt diese Jugendlichen auf dem Weg zu einer Berufslehre, wenn möglich auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

Lernende mauern für Lernende

Es ist Anfangs Mai und das Wetter kann sich nicht zwischen Regen und Schnee entscheiden. Vor dem Holzhaus oberhalb Malix arbeiten Lernende der Firma Zindel United an einer Mauer. «Seit Jahren wollten wir diese baufällige Mauer sanieren», erläutert Philipp Lischer, Geschäftsführer der Lernstatt Känguruh. «Jetzt konnten wir die Arbeiten endlich in Angriff nehmen. Möglich gemacht haben das unter anderen die finanzielle Unterstützung der Dachstiftung Kanton Graubünden sowie die Idee der Zindel + Co. AG, die Sanierung der Mauer als Lehrlingsprojekt umzusetzen». Philipp Lischer freut sich: «Unsere Lernenden konnten beim Mauerbau mitarbeiten und hatten die einmalige Gelegenheit, direkt vor dem Haus Berufsluft zu schnuppern.»

Schritte in die Arbeitswelt

Solche Gelegenheiten sind ein wichtiger Bestandteil des Projekts «mach’s». Bei verschiedenen Arbeiten im Haus und auf dem 6000 Quadratmeter grossen Umschwung können die Jugendlichen ihre Fähigkeiten entdecken: Im Gewächshaus ziehen sie biologische Jungpflanzen und verkaufen diese auf dem eigenen Setzlingsmarkt, in der Werkstätte schreinern sie Holzprodukte wie zum Beispiel eine Wurmkiste. Weitere Einsätze ermöglichen die fünf Ausbildungsbetriebe der Lernstatt in Chur. Auch Schnupperwochen sowie Praktika bei externen Betrieben sind möglich.

Tatkräftig mitgeholfen

Valerio, der seit 10 Monaten im Projekt «mach’s» ist, erklärt sich bereit, mit mir über seine Erfahrung auf der Baustelle zu sprechen. Der Arbeitstag hat morgens um 7.30 Uhr begonnen und dauerte bis 17 Uhr – was ihm aber keinerlei Schwierigkeiten bereite, so Valerio. Er erzählt, dass er Eisen mit der Flex-Zange zugeschnitten und die Schalung mit der Stichsage in die gewünschte Form gebracht hat. Anstrengend sei die Arbeit zwar nicht gewesen, so Valerio, aber dennoch sei ihm dabei klar geworden, dass dieser Job nicht seine Zukunft sein werde. Einen handwerklichen Beruf könne er sich aber durchaus vorstellen. Genauso war Dario bei dem Projekt mit dabei. Seine Erfahrungen teilte er uns in einem kurzen Interview mit.

Wertvolle Erfahrung

Nicht nur die Jugendlichen der Lernstatt, auch die Lernenden der Firma Zindel United sind um eine Erfahrung reicher. Wie Bauführer Mathias Galliard erläutert, sind für sie solche Projekte wichtig, weil sie dabei den ganzen Arbeitsablauf von A bis Z kennenlernen. Auf Grossbaustellen sei das nicht möglich, da dort viele Schritte durch Spezialisten erledigt würden. Nicht so beim Mauerprojekt in Malix: Unterstützt von Polier Daniel Tschirky haben die Lernenden alle Arbeiten selbst geplant und auch die Baustelle eigenständig eingerichtet. Bis zur Fertigstellung der Mauer dürften die Lernenden allerdings noch einige Tage zu arbeiten haben.

Hemmungen und Ängste abgebaut

Der Schritt gegen aussen ist für viele Jugendliche mit Hemmungen oder sogar Ängsten verbunden. Mit dem Lehrlingsprojekt kam die Arbeitswelt nach Malix. Mauro Büchler, Arbeitstrainer beim “mach’s” gibt dem Projekt 8 von 10 Punkte.

Weitere Eindrücke und Fotos zum Projekt finden Sie in unseren Stories und den Medienberichten.

Zu den Website Stories    Bericht in der BüWo